Jetzt mit wundersamen Geisterweben
laß, oh Burg - längst dem Verfall geweiht, -
Deiner Schatten edle Bilder schweben
aus den Trümmern der Vergangenheit.

 

Die Geschichte des Ortes Kieselbach ist von alters her untrennbar mit der Geschichte des Krayenbergs und seiner Krayenburg verbunden. Aus diesem Grund haben wir an dieser Stelle der faszinierenden und äußerst wechselhaften Vergangenheit der Burg eine eigene Seite gewidmet.

Die Geschichte der Krayenburg

Die Bedeutung des Namens "Krayenburg" ist nicht genau festzustellen und unterliegt einigen Zweifeln.
Die wahrscheinlichste ethnologische Erklärung ist jedoch, dass der Name von dem Wort "Kra" bzw. "Kray" = die Krähe, herrührt. Der Name bedeutet also "Krähenberg", wobei man entweder an den Vogel Krähe zu denken hat oder auch, aber weniger wahrscheinlich, an einen gleichlautenden Männernamen, in dem etwa die Person des Schlossgründers zu suchen wäre.

Die Krayenburg wurde erstmals in einer Urkunde vom 28. Juni 1155 erwähnt, in welcher der Abt Willibold von Hersfeld von der Krayenburg als "casum nostrum" (unser Lager, unsere Burg) spricht. Die Burg gehörte zu dieser Zeit, wahrscheinlich als hersfeldische Lehnsträger, "dem Dynasten-Geschlecht derer von Frankenstein".

Durch eine Urkunde, datiert Verona, den 4. November 1184, verleiht Kaiser Friedrich Barbarossa dem Abt Siegfried von Hersfeld den Besitz der Krayenburg einschließlich der dazugehörigen Dörfer Breitungen, Tiefenort, Dorndorf, Heiligenroda und Berka a.d. Werra.
Er befreite das Kloster Hersfeld vom königlichen Spolienrecht und ließ die gewählten Äbte darauf schwören, die Burg keinesfalls weiterzuverleihen, insbesondere nicht an Feinde des Reiches.

Im Jahr 1270 floh Landgräfin Margarethe, die Tochter Kaisers Friedrich II. und Gemahlin des Landgrafen Albert "des Entarteten" von Thüringen, vor ihrem Gatten, da sie von diesem bedroht wurde, von der Wartburg und fand für kurze Zeit Zuflucht auf der Krayenburg. Sie genoss dort den Gottesfrieden, den Kaiser Barbarossa der Burg verliehen hatte. Später wurde Margarethe zum Kloster Kreuzberg (heute Schloss Philippsthal) gebracht, wo sie der Abt von Hersfeld ehrenvoll aufnahm und nach Fulda weiter geleiten ließ.

In der Folgezeit waren die mächtigen Herren von Frankenstein stetig in blutige Auseinandersetzungen mit ihren Nachbarn verwickelt. Infolge dieser Streitigkeiten, insbesondere nach ihrer verheerenden Niederlage gegen die Abtei Fulda, hatten die Frankensteiner zunächst all ihre Reichtümer sowie ihre Frankensteiner Stammburg bei Bad Salzungen (die heute nicht mehr existiert) verloren und starben schließlich aus. Die ihnen zugestandenen Rechte an der Krayenburg fielen an das Stift Hersfeld zurück. Im folgenden Jahrhundert wechselte die Burg derartig oft den Besitzer, dass in einer Chronik scherzhaft behauptet wurde, die Burg hätte damals mehr Besitzer gehabt als Steine zu ihrer Erbauung nötig gewesen wären.

1407 kam die Krayenburg mit allem Zubehör als Pfand von Hersfeld an das landgräfliche Haus Thüringen. Später konnten die Äbte von Hersfeld ihr Pfand nicht mehr einlösen und die Krayenburg sollte für immer in den Privatbesitz der Thüringer Herzöge übergehen.

Die letzten Lehensherren der Krayenburg waren die Grafen von Beichlingen, welche die Burg im Jahre 1522 für 12.000 Florentiner vom Herzog Georg von Sachsen kauften. Graf Adam von Beichlingen, der zu jener Zeit eine ziemlich bedeutende Rolle spielte, lebte auf der Burg bis zu seinem Tode am 7. August 1538 und wurde in der Kirche zu Tiefenort beigesetzt.

Unter der Beichlinger Herrschaft gelangte die Krayenburg noch einmal zu voller Blüte. Nach dem Tode des Grafen jedoch wird die Burg mehrfach verpfändet und fällt 1567 schließlich an die Kursachsen.
Im darauf folgenden Dreißigjährigen Krieg 1618 bis 1648 wurde die Burg derart oft geplündert, dass der Verfall der einst stolzen Feste nicht mehr aufzuhalten war.
Die Einwohner der umliegenden Dörfer schleppten die Sandsteine der Burg hinab ins Tal und benutzten sie zum Bauen ihrer Häuser und Höfe und beschleunigten so das Ende der Burg zusätzlich.

Als im Jahre 1782 auf einer seiner vielen Reisen Johann Wolfgang von Goethe die Krayenburg besuchte, fand er nur noch eine Ruine vor, von deren ehemaligem Palas er eine wunderbare Zeichnung fertigte:

Nach der Rekonstruktion des Zum Grundriss der KrayenburgGrundrisses der einstmals riesigen Burganlage konnte man feststellen, dass diese noch größer als die Wartburg gewesen sein muss; die Krayenburg wird daher auch oft als "Mutter der Wartburg" bezeichnet.
Heute existieren von der alten Burganlage nur noch wenige Reste: Teile des Palas, einige Keller und Reste der Verteidigungsmauern (Zwinger).

Im Jahre 1925 wurde der Verein der "Krayenburg-Gemeinde" gegründet. Dieser Verein hatte sich den Erhalt und den Ausbau der alten Burganlage auf die Fahnen geschrieben. Zusammen mit einigen heimatinteressierten Einwohner der umliegenden Gemeinden bauten der Baumeister und Schultheiß der "Krayenburg-Gemeinde", Herr Carl Schanz, auf den Grundmauern des ehemaligen Burggeländes die heutige Krayenberg-Klause. Der Bau zog sich über zehn Jahre hin und war erst 1935 mit der Fertigstellung des Aussichtsturmes endgültig abgeschlossen.

Mittlerweile befinden sich "auf der Burg" eine Zur Webseite der Gaststätte und des Hotels Gaststätte, ein Hotel und sogar ein kleines Standesamt. Auf dem Burggelände findet jährlich zu Pfingsten ein großes Platzkonzert statt, aber auch über das Jahr verteilt gibt es hier so manch interessante Veranstaltung.
Der Krayenberg mit seiner alten Ruine und seiner "neuen Burg" ist heute ein sehr beliebtes Ausflugsziel und wer einmal einen langen, erholsamen Spaziergang durch die herrlichen Buchenwälder des Krayenberges gemacht und auf der Burg gerastet hat, wird diesen Tag so bald nicht vergessen.

Nun steh'n die Hallen leer,
durch ihre Fenster glüht Abendrot und wandelt Zugluft frei,
wenn nicht ein wucherndes Gesträuch
die üpp'gen Gitter drüber hin verzweigt.
Hoch rauscht das Gras im Burghof;
die Mauern nickten ein,
und Steine steh'n Gräbern gleich aus dem Gebüsch hervor.
Im Tal derweilen murmelt fort und fort
der Fluß dahin, geheimnisvoll erzählend
von alter Zeit und mancher alten Tat,
und hohe Buchen flüstern mit darein. -
Der Wandrer rastet gern auf solchen Trümmern…


 

Der Sagenschatz der Krayenburg

Vom Schatz im Krayenberg

Am Krayenberg suchte einst eine alte Frau Kräuter. Da gewahrte sie auf einmal dicht vor sich eine wunderschöne große Blume. Dieselbe gefiel ihr über die Maßen, sodass sie sie ausrupfte und mit sich nach Hause nehmen wollte. Da sah sie zu ihrer Überraschung, dass an der Wurzel ein alter, mächtiger Schlüssel hing. Sie betrachtete ihn eben noch und überlegte, was sie wohl damit anfangen sollte, als sie durch ein leises Geräusch veranlasst wurde, sich umzudrehen.

Wer beschreibt aber ihre Überraschung und ihren Schrecken, als sie eine weiße Jungfrau von wunderbarer Schönheit vor sich erblickte. Diese stand vor einer weit geöffneten, mit reichem Schnitzwerk versehenen Tür, die zu einem Gewölbe führte, von dem sie nie zuvor etwas gesehen hatte.

Als sich ihr erster Schrecken gelegt hatte, folgte sie der freundlich winkenden Jungfrau und ging mit ihr durch einen langen, langen Gang bis zu einem hell erleuchteten Gewölbe.

"Nimm, soviel du zu tragen vermagst", sagte die Jungfrau zu ihr und deutete auf ein offenes Fass mit Weizen. Die Frau besann sich nicht lange, sondern raffte von dem Weizen zusammen, soviel sie nur in ihre Schürze bekommen konnte und schickte sich an, das Gewölbe wieder zu verlassen. Da rief die Jungfrau ihr nach: "Vergiss das Beste nicht!"

Doch sie hatte keine Zeit, auch wurde es ihr auf einmal recht unheimlich zumute, sodass sie froh war, als sie den blauen Himmel wieder erblickte. Hinter ihr schlug die schwere, eichene Tür krachend in's Schloss. Da fiel ihr erst wieder ein, dass sie ja die schöne Blume mit dem Schlüssel zurückgelassen hatte; sie wollte umkehren, doch es war zu spät. Vergebens spähte sie nach der Tür, sie fand den Eingang jedoch nicht wieder. Er war verschwunden. Im Ärger warf sie nun auch noch den Weizen weg. Der könne ihr auch nichts mehr helfen, meinte sie. Die Vögel kamen und fraßen ihn auf.

Als sie sich am anderen Tag ihre Schürze wieder vorbinden wollte, rollten ihr einige Goldstücke entgegen. Das waren die wenigen Weizenkörner, die in der Schürze hängengeblieben waren. Sie hatten sich in lauter Goldstücke verwandelt.

Da ärgerte sie sich gar sehr, dass sie die anderen so leichtsinnig fortgeworfen hatte und eilte gar schnell wieder nach dem Krayenberg zurück, um die weggeworfenen Körner vielleicht wiederzufinden. Aber sie durchsuchte den Waldboden und die Sträucher vergebens, die Vögel hatten alles aufgepickt.

 

Von der weißen Fau auf dem Krayenberg

"Wir hatten vordessen einen alten Nachbarn," so erzählte einst die Botenfrau von Tiefenort, "er war herrschaftlicher Holzbauer und ein gar rechtschaffener und fleißiger Mann.

Er hat uns nun gar vielmal erzählt, dass sie einmal oben am Krayenberg einen Holzschlag machten und wie er da, weil seine Kameraden noch nicht am Platze waren, so bei sich dachte: 'willst einmal vollends hinauf gehen nach dem alten Schlosse und den Aufgang der Sonne betrachten', da habe er oben auf dem 'Hückel', wo der Keller darunter ist, richtig die weiße Frau sitzen sehen. Es sei ihm freilich ein bisschen gruselig geworden, doch habe er sich, wie sie ihm gewinkt, ein Herz gefasst und sei in Gottes Namen zu ihr hingegangen.

Die Frau aber wäre immer mehr zurückgewichen. So, sagte er, sei er endlich auf den Platz gekommen, wo er sie zuerst gesehen. Dort aber hätte er fast den Tod am Halse gehabt. Der Boden sei auf einmal unter ihm gewichen. Ein paar Steine seien den 'Hückel' hinuntergepoltert und er habe sich nur mit Mühe oben halten können. Da wäre auch die weiße Frau plötzlich verschwunden gewesen. Er hätte dann seine Kameraden herbeigeholt und ein Stück weggeräumt. Da hätten sie denn auch die starke, hölzerne Kellertür gefunden. Einer von ihnen habe darauf den großen Schlüssel, der im Schloss steckte, herumgedreht und die Tür aufgeschlossen. Im Keller aber sei nichts zu sehen gewesen als die vorher eingestürzten Steine, ein paar alte Fässer und in jedem noch ein Rest von Erbsen und Linsen. Einer von ihnen habe das Zeug mit nach Hause nehmen wollen, für die Hühner, habe es aber liegen lassen, weil die anderen meinten, dass es dem Dieb schaden möchte. Als sie später dies im Dorf erzählt hätten, wären sie für dumm gescholten worden und viele wären nach dem alten Schlosse hinaufgelaufen, um das Gold und Silber wegzuschnappen, aber nicht einer habe ein Fass mehr stehen sehen."

 

Geisterspuk auf der Krayenburg

Einst wollte ein Junge aus Kieselbach auf dem Krayenberg Holz holen. Als er in die Nähe der Burg kam, sah er zwischen dem alten Gemäuer plötzlich eine weitgeöffnete Tür und durch diese in einen langen, hellerleuchteten Gang, in welchem sich allerlei unheimliche Gestalten geschäftig bewegten. Der Junge war heftig erschrocken, blieb aber, da er beherzt war, dennoch stehen und schaute dem Treiben eine Weile zu. Als es ihm aber zuletzt zu arg gruselte, machte er an dem nächst der Pforte stehenden Baum ein Merkzeichen und lief dann, so schnell er laufen konnte, zurück nach Kieselbach. Dort erzählte er seinen Leuten, was er auf dem alten Schloss erlebt hatte.

Die Bauern, die schon lange auf so etwas gelauert hatten, eilten nun, den Jungen an ihrer Spitze, rasch hinauf zur Burg, um durch den lange vergebens gesuchten Eingang zu dem in den Gewölben vergrabenen Schatz zu gelangen und so reiche Leute zu werden. Als sie jedoch an dem bezeichneten Platze anlangten, fanden sie nichts als altes Mauerwerk und Sträucher. Von einer Türe oder einem Eingang war nichts mehr zu sehen, selbst das Merkmal, das der Junge an einem der Bäume angebracht haben wollte, war verschwunden. Und so mussten sie dann ärgerlich genug wieder abziehen. Ein gleiches Schicksal hatten sie auch bei ihren späteren Ausgrabungen.

 

Das eingemauerte Kind auf der Krayenburg

Die Sage berichtet, dass bei der Erbauung der Burg ein lebendiges Kind in einer steinernen Wiege eingemauert wurde, um nach damaligem Aberglauben jene Burg unüberwindlich zu machen. Auch will man oft ein klägliches Wimmern zwischen dem Gemäuer vernommen haben. Ebenso wird erzählt, dass dort oben zuweilen ein mit Blumen spielendes Kind gesehen worden sei, welches plötzlich verschwand, wenn man ihm nahte. Eine Frau, die sich ihm leise genähert, sodass sie schon nach demselben greifen konnte, sah statt des Kindes auf einmal einen blauen Schmetterling, der dann himmelwärts schwebte. Seitdem jedoch bei einem teilweisen Abbruch des Gemäuers ein kleiner, steinerner Sarg mit einem Kindergerippe in demselben ans Licht kam, soll man droben nichts mehr gesehen und gehört haben.

 

Von der Geisterhand auf dem Krayenberg

An der Stelle des Burggemäuers, an der in späterer Zeit die steinerne Wiege gefunden wurde, hat schon mancher aus der Umgegend ein Häuflein Kohle brennen sehen, über welches eine Geisterhand wie schützend ausgebreitet war.

Einer aus Kieselbach, der dort oben die selbe Erscheinung hatte, gickelte (stocherte) mit den Worten: "Nun, was soll das sein?" daran herum, bekam aber alsbald so derbe Ohrfeigen, dass er bewusstlos zu Boden stürzte. Als er wieder zu sich kam, waren Hand und Kohlen verschwunden.

 

Die gespenstige Braut am Krayenberg

"Zur Zeit, als noch alles katholisch war in unserer Gegend", so erzählte der alte Hanjörg aus Kieselbach, "wollte ein Brautpaar über den Bergrücken von hier nach Tiefenort gehen, um sich dort trauen zu lassen. Wir hatten hier ja noch keine Kirche. Da versah der Pfarrer vom Krayenberg oder von Tiefenort uns mit. Also die beiden gingen über den Berg. Es hatte kurz vorher heftig geregnet und bald darauf wieder stark gefroren. Dadurch war es an manchen Stellen recht glatt geworden. Sie hatten schon glücklich die Höhe erreicht und wollten drüben hinuntersteigen, da glitt die Braut auf einmal aus und stürzte so unglücklich, dass sie ihr Genick brach. Und da sie ohne Beichte und Absolution dahingefahren war und ihr geiziger Bräutigam auch keine Seelenmesse für sie lesen lassen wollte, so fand sie keine Ruhe im Grabe und ging seit der Zeit dort um. Gar viele haben sie schon gesehen, wie sie im bräutlichen Schmuck, die Hände vorn gefaltet, durch die Bäume gegangen sei. Der Kopf hing ihr noch vom Genickbruch nach hinten hinab. Und das war ein schauerlicher Anblick."