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18. Juni 1155
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"in villa nostra Kiselbach, que sita
est in radice montis et castri nostri Creienberg"
(in unserem Dorfe Kieselbach, welches
gelegen ist am Fuße des Berges und unserer Burg Krayenberg)
Diese
Passage aus einem Dokument des Abtes Willibold von Hersfeld
ist die früheste nachweisbare Erwähnung des Ortes
Kieselbach und somit seine eigentliche Geburtsurkunde. Aus
dieser heute im Staatsarchiv Marburg aufbewahrten Urkunde
geht hervor, dass Kieselbach zur Zeit der Ersterwähnung
unter thüringischer Landeshoheit stand, aber bereits
zum Kloster Hersfeld gehörte.
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ca. 1130
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Durch das Kloster Hersfeld wird in Kieselbach ein Unter- oder
Vogteigericht ins Leben gerufen. Die Stelle, wo das Gericht
unter freiem Himmel tagte, hatte bis zur Flurzusammenlegung
(nach dem ersten Weltkrieg) den Namen "Am Gericht".
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1183/1308
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Urkunden aus dem 12. Jahrhundert belegen, dass bereits im frühen
Mittelalter sowohl Edelleute als auch kirchliche Einrichtungen
einst über umfangreiche Besitztümer in Kieselbach
verfügten. Im Jahre 1183 trat der Ritter Konrad von Weilar
seine Güter zu "Cieselbach" an das Mönchskloster
Königsbreitungen ab, anno 1308 erwarb das Kloster Frauensee
"Zinsgerechtsame", das heißt vererbliche und
verkäufliche Nutzungsrechte an Haus, Hof und Grundstücken,
in Kieselbach.
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1436
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Erstmalige
Erwähnung des "Kambachshofes", des heute zu Kieselbach
gehörenden Ortsteiles Kambachsmühle. In den Grenzbeschreibungen
aus dem 14. und 15. Jahrhundert ist bereits mehrfach die Rede
von einem "born in der wyssen onder Springen"
(Brunnen in der Wiese unterhalb von Springen). Vermutlich war
damit die Quelle des "Cambachs" gemeint. Später
wurde auf dem Kambachshof eine Mühle errichtet, die dem
heutigen Ortsteil seinen Namen gab.
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1485-1525
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Nachdem im frühen Mittelalter die Güter in Kieselbach
unter vielen Edelleuten verteilt waren und stetig hin- und her
verkauft oder verliehen wurden, wurden bei der großen
Landesteilung im Jahre 1485 die in Kieselbach gelegenen herrschaftlichen
Besitztümer an den Kurfürsten Ernst übertragen
und acht Jahre später an den Ritter Hans von Goldacker.
Nach noch mehrmaligem Besitzerwechsel gingen die Kieselbacher
Liegenschaften im Jahre 1525, ebenso wie die Krayenburg, in
das Eigentum des Grafen Adam von Beichlingen über.
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1522
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Durch königliche Übereignung hatte das Kloster Hersfeld
reichen Grundbesitz erworben, welcher weiter verlehnt (verliehen)
wurde. Auch die Besitzer von Amt und Schloss Krayenberg gehörten
zu den Lehnsleuten der Abtei. Da für die Bewirtschaftung
des Klosterlandes nur eine begrenzte Anzahl ständiger Arbeitskräfte
zur Verfügung stand, waren die halbfreien Bauern Kieselbachs
durch die Gesetzgebung als sogenannte "Hörige"
fest an ihre Scholle gebunden und hatten die Pflicht zu Ableistung
von Frondiensten. Weiterhin mussten sie zahlreiche Abgaben erbringen,
die in Form von Geld und Naturalien zu zahlen waren.
Der erste urkundlich nachgewiesene Fronvertrag des Amtes Krayenberg
stammt aus dem Jahre 1522.
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1524/1525
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In
den Jahren 1524/25 gab es unter der Führung von Thomas
Müntzer einen Aufstand der Bauern, den sogenannten "Bauernkrieg",
in welchem die Bauern für die Wiederherstellung ihrer alten
Rechte und für eine Verbesserung der wirtschaftlichen Lage
kämpften. Hauptforderungen waren hierbei unter anderem
die Abschaffung der Leibeigenschaft und der Folterstrafe sowie
die Abschaffung des "Todfalles", der das Recht des
Grundherren auf gewisse Gegenstände der Hinterlassenschaft
eines verstorbenen Bauern bezeichnete.
In unserer Gegend formierte sich am 19. April 1525 in Völkershausen
der sogenannte "Werrahaufen", dem sich die Bauern
aus den Ämtern Salzungen, Krayenberg, Vacha, Gerstungen
und Eisenach anschlossen und welcher zuletzt eine Stärke
von 7.000 Mann hatte.
Der Bauernaufstand wurde jedoch blutig niedergeschlagen und
der führerlos gewordene "Werrahaufen" löste
sich auf. Als Strafe wurden die Fronverpflichtungen erhöht
und je nach Maß der Beteiligung an der Aufstandbewegung
enorme Summen an Bußgeldern gefordert, die entweder individuell
oder durch die Dorfgemeinschaft zu zahlen waren.
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1535-1538
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Graf Adam von Beichlingen ließ während seiner segensreichen
Amtszeit in Kieselbach ein Zeughaus und eine Richtstätte
erbauen. Auf dem Dorfanger unterhalb der Kirche, auf dem sich
die Dorflinde befand (und noch heute befindet), wurde der Gerichtsplatz
eingerichtet und das "Halseisen" angebracht. Reste
dieses mittelalterlichen Folterinstruments befanden sich noch
bis in jüngere Zeit an der Nordseite der Lindenmauer.
Die sogenannten "Rügegerichte" ahndeten vorwiegend
Holz- und Felddiebstähle. Sie sprachen jedoch nicht nur
Rügen aus, sondern verhängten auch Geldstrafen.
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1554
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In
früherer Zeit besaß Kieselbach keine eigene Kirche.
Die Einwohner wurden von den Pfarrern der Krayenburg und Tiefenort
"mit versorgt". Ältester Teil der heutigen Kirche
war ein freistehender Wehrturm. Das aus Sandstein bestehende
Untergeschoss des Turmes weist zwar bereits die Jahreszahl 1521
auf, erstmalig erwähnt wurde die Kirche jedoch 1554.
Unter dem Turm liegt der Altarraum. Die Rippen des Gewölbes
sind mit roh in den Stein gehauenen Männerköpfen versehen.
Anlässlich der in den Jahren 1691/92 durchgeführten
Generalreparatur der Kirche wurde das Kirchenschiff angebaut
und eine zweite Empore errichtet.
Der Hauptraum der Kirche erhielt so 1692 seine heutige Gestalt.
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1567
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 Nachdem
Graf Adam von Beichlingen am 7. August 1538 starb und in der
Kirche zu Tiefenort beigesetzt wurde (das nebenstehende Bild
zeigt sein Grabmal), fielen im Jahre 1567 mit dem Amt Krayenberg
auch alle Besitztümer in Kieselbach an das herzogliche
Haus Sachsen und wurden zu staatlichen Gütern und Forsten
erklärt. Die vom sächsischen Staat zur Verwaltung
eingesetzten Beamten hatten ihren Dienstsitz zuerst auf der
Krayenburg und ab 1703 im Amtshaus in Tiefenort.
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1570
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Mit der Verstaatlichung der Güter und Forsten ging man
dazu über, Grenzsteine zu setzen, auf denen Wappen und
Abkürzungen eingemeißelt waren (z.B. SWE = Sachsen-Weimar-Eisenach,
AC = Amt Krayenberg).
So wurde auch in dieser Zeit in der Amtsbeschreibung die Dorfgrenze
von Kieselbach genau festgesetzt.
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1571
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Ende
des 16. Jahrhunderts war Kieselbach Teil eines "Zents",
eines Gerichtsbezirkes, dem in der Regel sechs bis acht Gemeinden
angehörten und dessen Vorsteher der "Zentgraf"
war.
In Kieselbach residierte der "Fürstlich Sächsische
Centgraf" Heinrich Brüll. Dieser ließ im Jahre
1571 in der heutigen Fuchsgasse ein mehrstöckiges Haus
errichten, bei dessen Bau auch Steine verwendet wurden, die
von der Krayenburg stammten und vom Berg zu Tal gerollt worden
waren.
Das Grundstück des Zentgrafen erhielt später den Namen
"Glaam" (auch "Claam" oder "Clam").
Im Portal des Hauses von Heinrich Brüll war die Inschrift
eingemeißelt: "Salus exeuntibus et introeuntibus.
Heinrich Brüll, Centgraf vom Ambte Kreienburg 1571"
(Wohlergehen denen, die hinausgehen,
und denen, die eintreten. Heinrich Brüll, Zentgraf des
Amtes Krayenburg 1571).
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1572
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Im Jahre 1572 wurde das Marktrecht des Amtes Krayenberg von
Tiefenort auf Kieselbach übertragen. Maßgeblich für
die Verlegung dürfte die günstigere Lage des Ortes
an der alten Handelsstraße gewesen sein.
Den Händlern war nachgelassen, nicht nur Vieh zu verkaufen,
sondern auch Waren aller Art. "Zu größerer
Bequemlichkeit der Fremden war das Herbergen und Speisen derselben
jedem Ortsnachbar" (= Einwohner) gestattet.
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ca. 1610
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Den
Bestimmungen der sächsischen Heeresfolge entsprechend wurde
zu Beginn des 17. Jahrhunderts auch im Amte Krayenberg eine
Landwehr gebildet. Ihre Aufgabe bestand darin, im Falle eines
feindlichen Angriffs so lange Widerstand zu leisten, bis eine
Streitmacht des Landesfürsten in den Kampf eingreifen konnte.
Führer der Krayenberger Kompanie war der Kieselbacher Gastwirt
Daniel Schrumpff. In Anerkennung seiner Verdienste als Hauptmann
war er auf fürstlichen Befehl eine Zeitlang von der Zahlung
des Erbzinses für die Gastwirtschaft befreit.
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1618-1648
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Mit einem Aufstand des böhmischen Adels gegen die Herrschaft
der Habsburger begann im Jahre 1618 der 30jährige Krieg.
Auch für unseren unmittelbar an der großen Heer-
und Handelsstraße gelegenen Ort brachte dieser Krieg Tod
und Verderben.
Neben Deutschen aus allen Teilen des Reiches zogen auch Kroaten,
Wallonen, spanisches Fußvolk, schwedische Kavalleristen
und von General Ramsay befehligte Schotten über die Straßen
unserer Heimat. Alle Durchzüge waren begleitet von Drangsalierungen
der Bevölkerung.
1625 zogen Soldaten des kaiserlichen Generals Wallenstein plündernd,
sengend und mordend durch Kieselbach.
1629 folgten ebenso zerstörerisch die Truppenteile des
Grafen von Tilly.
1631 marschierte der österreichische Obrist Colloredo mit
einer starken Kompanie durch den Ort.
Im Oktober 1634 fielen die gefürchteten Kroaten unter dem
Grafen Isolani in unsere Gegend ein.
Am 30. Januar 1637 fiel eine Schar von 30 Reitern in Kieselbach
ein, die zuvor in Merkers Vieh geraubt und erst gegen die Zahlung
von Lösegeld wieder freigegeben hatte.
1640 wurde die Krayenburg von marodierenden schwedischen Soldaten
"hart mitgenommen, und alle urkundlichen Nachrichten
und sonstige schriftliche Aufzeichnungen gingen dabei verloren".
1634 heißt es über die Krayenburg: "Alles
vom kaiserlichen Volk ruiniert, zerschmissen und zerschlagen".
Die Soldateska, gleich ob Deutsche oder Ausländer, plünderte,
vergewaltigte, schlug die Einwohner tot, steckte deren Häuser
in Brand und trieb das Vieh fort.
Im Jahre 1638 hieß es: "Kieselbach hat im jetzigen
verderbten Zustande noch 25 Mannschaften, 5 Witwen, 36 leere
Wohnhäuser, 165 bestellte Acker Land, 731 unbestellte und
wüste Acker Land, 2 Pferde, 4 Ochsen, 24 Kühe, 21
Schweine, vorher 446 Schafe, jetzt keine".
Am Ende des 30jährigen Krieges waren von ursprünglich
80 Familien nur noch 49 Familien und 12 Witwen übrig, von
einst 90 Häusern waren nur noch 29 bewohnbar.
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1756
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Nach dem 30jährigen Krieg bedurfte es langer und harter
Arbeit, um alle Kriegsschäden zu beseitigen. Doch kaum
waren die Wunden des Krieges geheilt, wurde unsere Heimat in
neue kriegerische Auseinandersetzungen verwickelt.
Im Sommer 1756 marschierten preußische Truppen des Königs
Friedrich II. ("Alter Fritz") in Sachsen ein und begannen
den Siebenjährigen Krieg gegen Frankreich, Russland, Österreich
und Sachsen.
Wie schon im 30jährigen Krieg diente unsere Heimat vor
allem als Aufmarsch- und Durchzugsgebiet.
Nach dem Sieg des Preußenkönigs über die Franzosen
flohen einzelne versprengte Truppenteile der französischen
Armee durch unsere Gegend. Die druchziehenden Truppen forderten
Fouragelieferungen, requirierten Vorspannpferde und erpressten
Kontributionen.
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1792-1807
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In dieser Zeit führten wechselnde europäische Verbündete
vier Kriege gegen das revolutionäre und napoleonische Frankreich,
die als "Koalitionskriege" bezeichnet werden.
Wie schon zuvor im Siebenjährigen Krieg wurde unsere Heimat
auch diesmal zum Durchzugsgebiet großer Truppenmassen.
Fremdes Kriegsvolk, Franzosen, Italiener, Portugiesen, Russen
und Österreicher quartierten sich in Kieselbach ein, forderten
Unterkunft, Verpflegung und Abgaben. Zeitweise war der Ort regelrecht
von Soldaten überschwemmt.
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1797
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Auf
seiner Reise von Weimar nach Frankfurt kam der weimarische Geheimrat
Johann Wolfgang von Goethe auch durch Kieselbach.
In seinem Tagebuch hielt er folgendes fest:
"1. (August), Früh 4 Uhr von Marksuhl ab.
Sandstein in größeren und kleineren Platten, den
wir gestern schon gesehen. Verwitterung desselben. Feld, Höhen
und schöne Gründe.
Kieselbach - schöne Lage!
Werra Thal bis Vach. Große Fruchtbarkeit. Alter und schlechte
Beschaffenheit von Vach selbst."
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1813
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Nach dem gescheiterten Eroberungsfeldzug Napoleons I. in Russland
und der Niederlage der französichen Armee in der Völkerschlacht
bei Leipzig zogen in den letzten Oktobertagen des Jahres 1813
etwa 20.000 von Hunger, Erschöpfung und Krankheiten gepeinigte
französische Soldaten durch unsere Gegend. Auch in Kieselbach
waren alle Häuser, Stallungen und Scheunen mit Soldaten
belegt. Viele Einwohner Kieselbachs hielten sich in den umliegenden
Wäldern verborgen. Nach ihrer Rückkehr fanden sie
den Ort von Nahrungs- und Futtermitteln völlig entblößt.
Überall lagen umgekommene Soldaten.
Verheerende Auswirkungen auf die einheimische Bevölkerung
hatte der von den marodierenden Truppen eingeschleppte Fleckentyphus,
dem in Kieselbach 71 Personen zum Opfer fielen.
Das französische Wort "retirade" für "Rückzug"
ist bis zum heutigen Tag erhalten geblieben in dem Mundartausdruck
"Rädderoot" für Unordnung und Durcheinander
in Haus und Hof.
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1846-1903
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Um
der Armut in ihrer Heimat zu entgehen, wanderten in der Zeit
von 1846 bis 1903 194 Kieselbacher Einwohner in die Vereinigten
Staaten oder nach Südamerika aus, darunter auch der Tagelöhner
Caspar Niebergall (Bild), welcher im Jahre 1851 mit seiner Frau
und den beiden Söhnen nach Amerika emigrierte.
Um die Wende zum 20. Jahrhundert fanden mehrere junge Männer
aus dem Ort im Steinkohlebergbau des Ruhrgebietes Arbeit und
Brot. Sie wurden von den Einheimischen als "Westfalengänger"
bezeichnet und waren nach ihrer Rückkehr in die Heimat
die ersten Kalikumpel von Kieselbach.
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1848/1849
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Aus den Unterlagen geht hervor, dass die demokratische Bewegung
im Vorfeld der Revolution von 1848/49 im ehemaligen Amt Krayenberg
in Kieselbach ihren Anfang nahm und bei den anderen sechs Gemeindes
des Amtes starken Widerhall fand.
Die "Westfalengänger", welche im Ruhrgebiet mit
Mitgliedern dort bereits bestehender Arbeiterorganisationen
in Berührung gekommen waren, brachten nach ihrer Rückkehr
in die Heimat sozialdemokratisches Gedankengut mit nach Kieselbach.
Im Jahre 1893 fand dann die erste sozialdemokratische Versammlung
des Ortes statt.
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1918
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Gegen Ende des Jahres 1918 wurde in Kieselbach eine Ortsgruppe
der "Sozialdemokratischen Partei Deutschlands" gegründet.
Auch die gewerkschaftliche Arbeit kam in Bewegung. Viele Kalikumpel
traten dem "Bergarbeiterverband" bei und erzwangen
die Einrichtung einer Zahlstelle im Ort.
Ende 1918 lag die Leitung der Gemeinde für kurze Zeit in
den Händen eines "Arbeiter- und Soldatenrates",
welcher nach dem Vorbild des in Russland entwickelten Rätesystems
gebildet worden war.
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1929-1932
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Im Oktober 1929 brach eine Weltwirtschaftskrise aus, von der
auch die exportabhängige Kaliindustrie hart getroffen wurde.
Obwohl die Arbeitslosen nur eine geringe Wohlfahrtsunterstützung
erhielten, wurde die Gemeindekasse in unerträglicher Weise
belastet.
1931 gab es in Kieselbach 400 Arbeitslose.
Durch die Wirtschaftskrise hatte sich das Lebensniveau breiter
Bevölkerungskreise drastisch verschlechtet. Von den meisten
Menschen wurde die Schuld an der wirtschaftlichen Misere dem
"Weimarer System" angelastet. Die radikalen Parteien
gewannen an starkem Zulauf.
In Kieselbach errang die KPD bei der Reichstagswahl im Juli
1932 365 Stimmen, die NSDAP 223 Stimmen und die SPD 167 Stimmen.
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1933-1945
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Im Januar 1933 begann der Übergang zur offenen faschistischen
Diktatur.
Nach dem Verbot der KPD wurde in Kieselbach eine illegale Leitung
des Unterbezirks aufgebaut, und bis zum Jahre 1936 bestanden
im Ort zwei Anlaufstellen für Kuriere.
Mit zunehmender Kriegsdauer erhöhte sich auch in Kieselbach
die Zahl der Gefallenen, insgesamt verloren im zweiten Weltkrieg
112 Kieselbacher Männer ihr Leben.
Von Luftangriffen der Alliierten blieb Kieselbach zum Glück
verschont. Lediglich eine aus einem Notabwurf stammende Bombe
schlug hinter der Bäckerei Pforr ein. Sie erwies sich jedoch
als Blindgänger.
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1945-1989
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Am 3. April 1945 tauchten am westlichen Ortseingang amerikanische
Panzer auf. Nach der Besetzung des Ortes wurde im damaligen
Bürgermeisteramt eine Ortskommandantur eingerichtet, die
die Besatzungsgewalt ausübte.
Gemäß der in der Konferenz von Jalta getroffenen
Vereinbarungen verließen die amerikanischen Truppen am
3. Juli 1945 das Land Thüringen, welches Teil der sowjetischen
Besatzungszone wurde.
Aus den noch vorhandenen Aufzeichnungen geht hervor, dass sich
das gesellschaftliche Leben im Ort nach 1945 nur langsam entwickelte.
Es hatte sich vor allem Politikverdrossenheit unter den Einwohnern
breitgemacht.
In der Folgezeit passten sich die meisten Einwohner aus Rücksicht
auf ihr berufliches Fortkommen an die Bedingungen an, wie sie
unter der "Dikatatur des Proletariats" und der sozialistischen
Staatsform vorgegeben waren. Immer und überall stand dabei
der Wunsch der Menschen nach Erhaltung des Friedens im Vordergrund.
Davon zeugt noch heute ein Ausspruch vieler älterer Kieselbacher,
der in Erinnerung geblieben ist. Hochsprachlich lautet er: "Es
mag alles sein, Hauptsache ist, es gibt keinen Krieg wieder".
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nach 1989
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Nach der Öffnung der Berliner Mauer am 9. November 1989
wurde in der Nacht vom 11. zum 12. November zwischen Vacha und
Philippstahl einer der ersten neuen innerdeutschen Grenzübergänge
geschaffen. Dazu wurde ein Mauerstück kurzfristig entfernt
und ein provisorischer Kontrollpunkt eingerichtet. Philippstahl
erlebte an diesem Tag einen bisher nicht gekannten Ansturm von
Bewohnern aus dem granznahen Raum. Auch in Kieselbach waren
fast alle Einwohner seit den frühen Morgenstunden auf den
Beinen. In Philippstahl kam es zu herzlichen Begrüßungen
zwischen Verwandten und Bekannten und zu spontanen Gesprächen.
Hiernach kam es zu einer Flut von "Schnupperreisen"
von BRD-Bürgern in die DDR, wobei die Kieselbacher den
Besuchern einen herzlichen Empfang bereiteten.
Den ersten Tag der Deutschen Einheit 1990 feierten die Kieselbacher
zusammen mit ihren Gästen aus der Partnergemeinde Niederaula.
Am 29.12.1993 unterzeichneten die Bürgermeister Manfred
Grob (Kieselbach) und Wolfgang Wollny (Merkers) den Vertrag
über die Bildung einer Einheitsgemeinde Merkers-Kieselbach,
welcher vorher durch die Gemeindevertretungen mehrheitlich beschlossen
worden war.
Bei der Wahl am 12. Juni 1994 wurden Wolfgang Wollny zum Bürgermeister
und Wolfgang Niebergall zum ersten Beigeordneten gewählt.
Offizieller Gründungstag der Einheitsgemeinde ist der 1.
Juli 1994. An diesem Tag wurde das bisherige Bürgermeisteramt
in Kieselbach geschlossen.
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